Zustände Terni 10

Update 19.3.2016

Der letzte Hund, FABIAN, konnte endlich nach Deutschland in eine liebevolle Familie reisen. Ich habe mein Versprechen eingehalten, das ich 2012 den vergessenen Hunden im canile Stroncone gegeben hatte, keinen von ihnen zurück zu lassen!  

Für einige Hunde hat es länger gedauert, weil immer die „schwierigen“ Hunde zurück bleiben und auch weil die Beschlagnahmung  von der ASL (ital. Veterinäramt) im Frühjahr 2013  aufgehoben wurde und so wieder viele neue Hunde, hauptsächlich aus den Gemeinden Fara Sabine und Cittaducale aus der Region Lazio, dorthin gebracht werden konnten. Die Struktur gab es ja und sie war fast leer. …

Im Mai 2016 stirbt der Betreiber des canile Stroncone, Herr Natalucci, unerwartet. Seine Kinder übernehmen die Führung und soweit ich weiss, geht es den Hunden dort nicht so schlecht. Man hat aus den Fehlern gelernt, aber leider sind die Adoptionen das A & O einer Tierschutzarbeit und genau das gibt es in Italien sehr wenig. So sind die Hunde verdammt hinter Gittern ihr Leben zu verbringen, bis …

  • sie das Glück haben, gesehen zu werden
  • jemand für ihre Rechte kämpft
  • zu ihrem Tod

 

ich werde nicht mehr dorthin fahren, zumal die Region Umbrien meinen Verein aus dem Register gestrichen hat und ich nicht mehr dort tätig sein darf.

 

Situation 2010 

 

Die Geschichte vom canile in Stroncone beginnt für uns 2010 und ist in gewissem Sinn die Fortsetzung des canile in Rieti.

Animalia Amo International wurde 2010 gegründet und 2012 gemeinnützig in der Region Lazio ins Register eingetragen und hat sich all die Jahre hauptsächlich um die Hunde aus dieser Region gekümmert und auch zur Schliessung des canile "Colle Arpea" in Rieti im Feb. 2011 beigetragen. Seit 2003 ist uns dieses canile, damals noch als "Bambi", bekannt, und mit vielen Hindernissen konnten wir unsere Arbeit immer fortsetzen. Sogar das zuständige Vetamt in Person von Dr. Toni vertraute uns und unterstütze die Auslandsadoptionen. Im Gegenzug wurden viele Fotos von glücklichen Hunden auf deutschen Sofas geschickt, ein sehr wichtiger Beitrag zu unserer Arbeit. Als Dr. Toni 2010 Bürgermeister der Gemeinde Contigliano wurde, sah er sich plötzlich vor einem Problem, das seine Vorgängerin ignoriert hatte: 48 Hunde seiner Gemeinde befanden sich im canile in Stroncone. Wir wurden zu Hilfe gerufen für Adoptionen dieser Hunde und so kamen wir im Januar 2010 das erste Mal nach Stroncone.                                

Schon 2005 wurden viele Hunde von ihren Gemeinden von Rieti dorthin übersiedelt und buchstäblich vergessen. Jahrelang hat niemand je einen Fuss in das canile gesetzt, der Betreiber war schwer bis gar nicht zu kontaktieren und so sank es in einen Dornröschenschlaf, der erst durch den Hilferuf des neuen Bürgermeisters der Gemeinde Contigliano, Dr. Toni, unterbrochen wurde. Endlich, unter polizeilicher Aufsicht, wurden im Januar 2010 die überlebenden 40 Hunde aus Contigliano unter über 200 Hunden im canile sichtbar. Eine Teil-Bestandsaufnahme wurde gemacht (nur die Hunde der Gemeinde Contigliano), so wie Fotos und Filme, die die erschreckenden Zustände dokumentierten. Die Wesen, die sich in den Käfigen befanden, glichen Gespenstern – schmutzig, verfilzt, abgemagert, krank, zeckenübersät, alt, mit toten Augen blickten sie durch die Gitterstäbe. Hunde, Räude geplagt, klapperdürr, die seit Jahren keine ausreichende medizinische Betreuung erfuhren, Sommer und Winter im Freien leben mussten. Kaputte Maschendrahtzäune, an denen sie ihre Schnauzen durchdrückten und sich jederzeit verletzen konnten. Türen, die mit Stricken zusammengehalten wurden, weil sie nicht mehr schlossen. Ein Jammerbild und eine Schande für alle, die das schon damals duldeten, wie zum Beispiel das zuständige Veterinäramt ASL und die Gemeinde Stroncone, in der sich dieses canile nach wie vor befindet. Nachdem die erschütternden Bilder im deutschen Tierschutzverteiler und auf Homepages verbreitet wurden, dauerte es nicht lange, bis sogar die anscheinend unvermittelbaren Hunde eine Chance bekamen und bei liebevollen Familien einziehen durften.

Nach diesem kurzen Intermezzo konzentrierten sich alle wieder auf das canile in Rieti, das aber im Februar 2011 seine Pforten für immer schloss. Auch hier hätten wir das niemals ohne deutsche Hilfe geschafft. Ein wunderbarer Erfolg, nach so vielen Jahren Leid.

Im Anschluss konnten wir uns wieder um Stroncone kümmern. Mit italienischer Hilfe des neu gegründeten Vereins ALFA machten wir diesmal eine komplette fotografische und schriftliche Bestandsaufnahme der verbliebenen ca. 180 Hunde. Es hatte sich in dieser kleinen Pause nichts geändert und schon gar nicht verbessert… AUSSER, dass die örtlichen umbrischen Tierschutzvereine ein (böses) Auge auf unsere Arbeit geworfen haben. Zur Erklärung muss gesagt werden: Stroncone befindet sich in der Region Umbrien, nördlich von Lazio, beherbergt aber fast ausschließlich Hunde aus der Region Lazio. Was soll das für einen Unterschied machen, fragt sich der geneigte Leser… tja, in einem normalen Land, sicher keinen! Hier ist leider alles anders und schwierig, was einfach sein sollte, speziell zum Wohl derer, die sich nicht verteidigen können. Umbrien ist eine Gegend, in der sehr viel gejagt wird. Die ital. Jäger gehen nicht zimperlich mit ihren Hunden um und wenn einer nicht funktioniert, dann wird er erschossen oder ausgesetzt und landet im canile, wenn er nicht vorher überfahren wird. Somit sind die umbrischen canili brechend voll mit Hunden, die keiner will. Interessanterweise hat genau DIESE Region ein lokales Gesetz, das besagt, dass kein Hund Umbrien verlassen darf – nicht mal nach Norditalien dürfte er gebracht werden. Ein absolutes Desaster für diese armen Hunde, deren Schicksal sich so in einem grässlichen canile beschließt. Die wenigsten haben eine Chance auf Vermittlung in der Region, die sie auf die Straße geworfen hat – der Norden würde helfen, darf aber nicht. Die Hunde ins Ausland zu bringen ist unvorstellbar für diese verwirrten Gestalten, die sich Tierschützer nennen und sich delektieren, die Tiere hinter Gittern zu sehen.

Als wir die Bestandsaufnahme im Nov. 2011 machten und alle Hunde für alle sichtbar wurden, kamen auch die ersten Hilfsangebote, den Vergessenen eine Zukunft zu schenken. Transporte wurden organisiert und das brachte die lokalen Tierschutzvereine auf den Plan. Animalia Amo International wurde boykottiert, beschimpft, aufgehalten und angezeigt… bisher ohne Erfolg, da unsere Arbeit nachvollziehbar und nach der vorliegenden Gesetzeslage durchgeführt wird. Im Rahmen einer eingehenden Untersuchung der ital. Behörden gegen Auslandstierschutz, die 1,5 Jahre dauerte, wurde auch nicht Halt davor gemacht, Telefongespräche abzuhören. Eine Staatsanwältin aus Terni gab einer Anzeige statt, die einer Verleumdung glich und ohne jeglichen Beweis gegen uns vorgelegt wurde. Sie lautete mafiöse Vereinigung, Tierquälerei und Bereicherung. Die betreffende Untersuchung wurde im August 2012 schließlich eingestellt und endete mit einer Laudatio der Staatsanwältin auf unsere Arbeit. (Pressemitteilung von Animalia Amo Int. Italien)

Den Hunden aus der Region Lazio zu helfen, dabei konnte unser bisher niemand stoppen, denn Umbrien hat dort keinen Einfluss. Als aber in Umbrien bzw. Stroncone die ersten 10 Hunde im Februar 2012 aus dem canile ausreisten, bekam der Betreiber Angst und informierte die ASL sowie italienische Tierschützer und bekam sofort "Hilfe". Traurig, wenn man bedenkt, dass das canile von einem Italiener geführt wird, der perfekt Deutsch spricht und mit einer Deutschen verheiratet ist. Traurig, dass Menschen, die die "ausländische" Realität kennen und wissen, dass Adoptionen von seriösen deutschen Tierschutzgruppen sorgfältig durchgeführt werden, unserer Arbeit solchen Widerstand entgegensetzen. Gerüchte kursieren nach wie vor, dass wir Hunde an Labore verkaufen, sie zu Hundefutter oder Handschuhen verarbeiten. Man spricht von "Deportationen". Carabinieri werden gerufen, um Transporte zu stoppen, und wieder geht es um Geld. Geld, das in Form von Hunden das canile verlässt. Niemand ist ernstlich interessiert, dass die Hunde ein glückliches Leben führen dürfen. Sie sollen die canili bevölkern und die Gemeinden sollen zahlen. Wir wollten den Hunden helfen, die wir teilweise über 2 Jahre kannten.

Doch das ist nach Meinung der umbrischen "Tierschützer" nicht möglich, weil wir sozusagen IHR Territorium betreten und IHRE Hunde verschleppen, und sie in Folge keine Möglichkeit der Kontrolle haben. Das ist das Zauberwort: KONTROLLE! In Italien geht nichts ohne das. Niemand vertraut dem nächsten, alles muss kontrolliert werden. Deutschland ist suspekt. Erstens wegen der vielen Hunde, die dort aufgenommen werden und wegen der Art der Hunde, die in Deutschland ein liebevolles zu Hause finden: alte, kranke, schwache, behinderte, psychische Wracks. So etwas ist außerhalb der Vorstellungkraft der meisten dort Ansässigen und auch der italienischen Tierschützer. Sie sehen uns auch als Konkurrenz – falsch verstandener Tierschutz, der einfach nur traurig macht. Auf diesem Sektor konkurriert man nicht - im Gegenteil.

Auch der Amtstierarzt aus Terni, der, wie leider die meisten Menschen, deren Horizont sich auf ihren Ort beschränkt, weder richtig über die EU Gesetze noch über unsere Arbeit informiert war, versuchte uns aufzuhalten, indem er im März 2012 das canile beschlagnahmte. Was heißt das genau? Es bedeutet, dass der Betreiber unter Aufsicht ist, die Hunde vom Veterinäramt kontrolliert werden UND keine weiteren Eingänge ins canile kommen. Anfangs schien es unsere Arbeit zu erschweren, aber es war das Beste, was den Hunden passieren konnte. Endlich machte sich auch das zuständige Amt ein Bild über die vorherrschenden Zustände, über die verwahrlosten Hunde und man fing an, sie zu behandeln. Gleichzeitig schickte unsere Anwältin einen netten Brief mit einer Verwarnung an den Amtstierarzt mit unendlich vielen Beweisen wie Fotos, Berichte über die adoptierten Hunde und den zuständigen Gesetzen. Und da wir es mit einem intelligenten Mann zu tun haben, der nicht um jeden Preis Recht haben muss, überzeugte er sich von unserer Arbeit, prüfte alles eingehend und kam zum Schluss, dass er speziell die Hunde aus Lazio frei gab und sie in ein besseres Leben reisen ließ.

Die umbrischen Hunde hatten es nicht so leicht. Die 14 Hunde aus der Gemeinde Terni wurden alle peu a peu abgezogen und von ihren "Rettern" in das canile "Colleluna" mit ca. 500 Hunden gebracht, in dem es max. 2 Adoptionen im Jahr gibt. Besonders leid tut es uns für die Hunde, die Anfragen hatten oder gar schon feste Plätze. Nur eine Dame ließ sich nicht abschrecken und kam schon zwei Mal persönlich nach Terni um IHREN angefragten Hund offiziell bei den Behörden (Gemeinde und ASL) einzufordern. Bisher ohne Erfolg. Die Gemeinde Stroncone hingegen, die auch um die 30 Hunde im canile hatte, für die sie vor Ort keine Adoption fand, weil die Hunde zu groß, zu alt, zu schwierig, zu … zu… zu waren, war bereit, das Wagnis einzugehen und uns ihre Hunde unter einigen Auflagen anzuvertrauen. Dieses Vertrauen konnten wir im Mai 2013 bestätigen, als eine kleine Delegation von Italienern nach Deutschland kam und die adoptierten Hunde besuchte. Wer sich von den Italienern mit unserer Arbeit auseinandersetzt, wer hier den Mut hat, neugierig zu sein, und ausreichend Liebe zu den Tieren hat, um sie FREI zu geben, über die Grenzen hinaus, ist immer begeistert, wie Deutschland mit den Hunden umgeht, wie wir hoffnungslosen Gestalten ihre Würde wieder gaben und diese unsere Familien bereicherten und vergrößerten.

Die Beschlagnahmung des canile wurde (leider) im Februar 2013 aufgehoben – aber wir hatten es fast geschafft, das canile zu leeren. Nur mehr wenige Käfige waren belegt – wir möchten diesen letzten Hunden hier einen Platz widmen, um gesehen zu werden (folgen Sie dem Link: Hunde im Canile Stroncone). Wenn diese Hunde noch unterkommen, dann hat Deutschland zwei mal ein canile komplett geleert! Rieti 2011 und Stroncone 2013 (?).

Hier einige Eindrücke aus dem "Tierheim":