2008 musste ich eine Abschlussarbeit für meine Prüfung bei Animal Learn zur Hundetrainerin schreiben und suchte mir das Thema: „Tierheimalltag in Süditalien“ aus. Nach monatelangem Studium, schwierigen Recherchen, unzähligen Interviews und umfangreicher Lektüre zu diesem Thema, versuchte ich dieses korrupte und mafiöse System zu durchschauen, in dem Hunde  in den zahllosen „Canili“ dahin vegetieren MÜSSEN und so als endlos fließende Geldquelle für sogenannte Tierheimbetreiber dienen. Erst nach Abschluss meiner Arbeit wurde mir das Ausmaß der Zustände bewusst, das viele Italiener selbst gar nicht kennen und worüber leider auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz wenig bekannt ist. Der Bericht darüber ist das Kernstück meiner Arbeit hier in Italien, die, dank einer engagierten Anwältin,  seit 2012 auch einen besonderen Schwerpunkt auf den juristischen Bereich legt. Viele Anzeigen gegen italienische Tierschutzorganisationen wegen böswilliger Verleumdung, gegen Gemeinden und ASL (italienisches Veterinäramt) wegen Untätigkeit, gegen Politiker, die EU-Richtlinien ignorieren und ihre eigenen Gesetze aufstellen, um zu verhindern, dass Hunde ein Canile verlassen dürfen und z.B. in einem anderen Land ein Heim finden, werden von meinem Verein gelegt und vertreten. Oft ist es nur ein Kampf gegen Windmühlen, stets aber gegen Ignoranz und Gleichgültigkeit in diesem Land. Aber ohne diese von mir angestrengten Prozesse hätten Italiens Hunde schon längst verloren und die Grenzen in ein besseres Leben wären für sie schon lange geschlossen.


Animalia Amo Int. ist ein kleiner italienischer Verein, der 2010 von mir, Claudia Röckl, gegründet wurde. Als Verein besteht ein erleichtertes Zutrittsrecht zu den Sammellagern in denen Besucher grundsätzlich unerwünscht sind. Selbst Tierschützern wird der Zutritt oft verwehrt, und den Hunden wird ihr gesetzlich verbrieftes Recht auf Adoption verwehrt. Hunderttausende von Hunden sind in Italiens Canili sozusagen lebendig begraben, unbemerkt von der Öffentlichkeit, ohne jede Zuwendung oder medizinische Versorgung, und das bis an ihr Lebensende.


In den letzten Jahren halfen verschiedene Vereine aus Deutschland, den Hunden aus diesen Canili und haben für sie Pflege- und Endplätze gefunden, damit sie in eine glücklichere Zukunft blicken konnten. Nun möchten wir den nächsten Schritt gehen und „Animalia Amo Int.“ selbst sowie seinen Aufgabenbereich auch im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.  



Dies bedeutet:


 

      • eine breite Aufklärung und Information über die politische Situation und den Tierschutz in Italien, insbesondere hinsichtlich der Hunde in den Canili,

 

      • die Vorstellung einzelner Hunde und ihrer Lebensumstände,

 

      • die Verbesserung dieser Zustände für die Hunde durch medizinische Versorgung und adäquate Unterbringung,

 

      • die Vermittlung von Hunden nach Deutschland, Österreich und der Schweiz, - insbesondere derer, die in Italien keine Chance auf eine Adoption haben.  

 


 Animali Amo Int. steht mit seiner Arbeit in Italien im Visier von Gegnern und Kritikern des Auslandstierschutzes, von Politik und Gemeinden, aber auch von ital. Tierschützern, die es lieber sehen würden, wenn die Hunde auf immer und ewig in Italien verblieben. "Schließlich sei das ihr Zuhause", so der Originalton einer ital. Tierschützerin des Vereins "Grandi Amici" mit Sitz in Terni. Seit Jahren halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Hunde in Deutschland für Tierversuche benutzt oder zu Futter verarbeitet würden oder ihr Fell zur kommerziellen Nutzung verwendet würde. Auch außerhalb der Grenzen Italiens hört man diese Vorwürfe immer und immer wieder ohne dass je auch nur ein einziger Fall hätte nachgewiesen werden können.


 Fotodokumentationen und Berichte über jene Hunde, die in Deutschland ein Zuhause gefunden haben, beweisen, dass es ihnen gut geht. Ordnerweise wurden solche Berichte schon bei diversen Treffen mit Gemeindevertretern, Tierschützern und sonstigen Funktionären vorgelegt. „Alles gefälscht!“ - so die lapidare Erklärung seitens der Behörden. Mittlerweile ist es sogar schon dazu gekommen, dass von italienischer Seite Interpol eingeschaltet wurde und die deutsche Kriminalpolizei sich damit befassen musste, um die Aufenthaltsorte der Hunde zu überprüfen. Einige Adoptanten haben schon über unangekündigten Besuch von Beamten berichtet, die bestätigt haben wollten, dass Hund „XY“ sich auch an Ort und Stelle befände und wohlauf sei. Bezahlt wird dieser Aufwand natürlich aus Steuergelder! Wenn wenigstens die Ergebnisse dieser Überprüfungen die Kritiker in Italien zur Einsicht brächten, dass hier in Deutschland, Österreich und in der Schweiz nichts Böses mit den von ihnen „ach so geliebten“ Streunern passiert. Doch die Absurditäten nehmen damit noch kein Ende.


Lieber italienische Tierschützer! An dieser Stelle möchten wir noch einmal deutlich machen: Behaltet eure Hunde! Wir wollen euch keinen einzigen wegnehmen! Macht, dass unsere Arbeit und das Engagement anderer Vereine in Italien überflüssig wird! Kümmert euch darum, dass die Zahl herrenloser Tiere abnimmt. Unterstützt Kastrationskampagnen! Betreibt Aufklärung und Prävention, anstatt Millionen eurer Steuergelder Betreibern von Canili in den Rachen zu werfen. Setzt euch dafür ein, dass das italienische Tierschutzgesetz – welches grundsätzlich wirklich gut ist - auch umgesetzt und eingehalten wird! Öffnet eure Augen und erkennt, was in eurem Land mit Hunden tatsächlich passiert. Niemand, der ein italienisches Canile jemals von innen gesehen hat, kann ernsthaft die Meinung vertreten, es handle sich dabei um ein „Zuhause“ für die dort vegetierenden Hunde. Richtet eure Aufmerksamkeit auf diese Zustände und lenkt eure Energie auf die Verbesserung dieser Situation in eurem Land, statt denen Hindernisse in den Weg zu legen, die in dieser Not helfen wollen. Damit wäre den Hunden wesentlich besser geholfen (und nebenbei der Steuerverschwendung ein Riegel vorgeschoben).


 Mehr zur Situation der Hunde in Italien lesen Sie hier.


 Indem wir einigen Hunden die Möglichkeit auf ein artgerechtes Leben eröffnen und sie aus den Canili nach Deutschland bringen, lösen wir die grundlegende Problematik in Italien natürlich nicht. Hier MUSS zuerst ein Umdenken in den Köpfen der Verantwortlichen und eine Veränderung der Praxis vor Ort stattfinden. Würden die zur Verfügung stehenden (Steuer-) Mittel (statt in die Taschen der Canilebetreiber) in staatliche Geburtenkontrolle der Streuner- und Canilehunde und nachhaltige Projekte (wie z.B. Aufklärungskampagnen, Schulprojekte) investiert, würden die jeweiligen Gemeinden Verantwortung dafür übernehmen, sich für eine artgerechte Unterbringung und Versorgung ihrer Hunde einzusetzen und deren Adoptionen zu fördern, statt diese zu blockieren, wäre die Leitung der Canili nicht in Händen von Geschäftemachern, sondern in denen von wahren Tierschützern, und würde das Tierschutzgesetz wirklich umgesetzt werden, wäre Italien bereits ein gutes Stück weiter.


 So aber liegt ein großer Teil der Arbeit meines Vereins auch auf der politischen Ebene, in dem Bestreben, unmittelbare Veränderungen zu erreichen. Animalia Amo Int. bemüht sich mit Hilfe einer überaus engagierten Anwältin verstärkt darum, die Gemeinden in die Pflicht zu nehmen, damit diese ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen. Es ist bislang ein ungleicher Kampf, ein Kampf gegen Korruption und Willkür, es ist ein Kampf gegen Windmühlen, ein mühsamer Weg der kleinen Schritte und großen bürokratischen Hürden und noch ist kein Ende in Sicht.


 Und dennoch können und wollen wir hier in Italien nicht die Augen davor verschließen, wie die Situation nun einmal ist. Wir wollen nicht darauf warten, dass erst politische Entscheidungen in Italien dazu führen, vielleicht eine Wende zu bringen. Wir sind uns darüber völlig im Klaren, dass - bei der Vielzahl der Hunde - unsere Hilfe nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeutet und dass sie - solange sich nichts Grundlegendes an der Sichtweise im italienischen Tierschutz ändert - ein Fass ohne Boden bleiben wird. Die Situation für Hunde ein wenig zu verbessern ist hierzulande unsagbar schwer. Zähe Organisationen und Strukturen sowie undurchschaubare Zusammenhänge, liefern die Hunde endlosem Leid aus. Immer wieder türmen sich neue Hindernisse vor uns auf, sodass man manchmal daran zerbrechen und verzweifelt aufgeben könnte.


 Aber sowohl das Wissen um die hoffnungslose Situation für die Hunde als auch die Resignation und Traurigkeit, die man in ihren Augen sehen kann,  lassen uns nicht ruhen. Wir werden die italienischen Hunde nicht im Stich lassen, denn sie haben nur Wenige auf ihrer Seite. Wir möchten die hiesigen Zustände sichtbar machen, sodass sie zumindest eine kleine Chance auf Hilfe erhalten können. Wir möchten, dass ihre trostlose Lage und ihr leidvolles Leben dokumentiert werden. Auch wenn es verspricht, Ewigkeiten zu dauern, um grundlegende Dinge nachhaltig zu verändern, so schauen wir zumindest hin, auch wenn das hart ist und Überwindung kostet. Unsere Aufgaben sind vielfältig und alleine kaum zu bewältigen. Erst durch die Unterstützung vieler, lieber Menschen in privater Initiative oder über Vereine konnte schon vielen Hunden der Start in ein neues Leben ermöglicht werden. Wir setzen uns unermüdlich für die Rechte der Hunde ein. Ein Canile ist niemals ein Zuhause für Hunde. Im besten Fall ist es ein Ort, der ihm vorübergehend Sicherheit und Versorgung bis zu seiner Vermittlung garantiert.